Fotogalerie

Weingespräche

Eine ganzheitliche Unternehmensphilosophie – das bedeutet für uns, auch an die kommenden Generationen zu denken. In Zusammenarbeit mit Hans Glauber und seinem Südtiroler Ökoinstitut haben wir im Jahr 2005 die Margreider Weingespräche ins Leben gerufen, ein Forum für Winzer und Wissenschaftler, um die Rahmenbedingungen für den Weinbau im zweiten Solaren Zeitalter der Zukunft zu diskutieren. Schon heute beobachten viele von uns die Folgen des weltweiten Klimawandels in den eigenen Rebbergen – zum Beispiel in Form von langen Nassperioden, starken Unwettern und einem immer früheren Beginn der Weinlese.

Die weltweiten Klimaveränderungen haben auch für den Weinbau weit reichende Folgen. Die Sorge um diese Entwicklungen bewegte uns in Zusammenarbeit mit dem Ökoinstitut Südtirol zur Ausrichtung der „Margreider Weingespräche“, einem Forum für Klimaforscher, Agrarwissenschaftler und Winzer, um gemeinsam Perspektiven und Strategien zu entwickeln, wie der Weinbau auf die globale Erwärmung reagieren kann.

Einig waren sich die Experten - Hartmut Graßl, Direktor am Max-Plank-Institut für Meteorologie in Hamburg, Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimaforschung und der Weinjournalist Mario Scheuermann - darin, dass der Klimawandel seit Mitte der 1990er-Jahre schneller als je zuvor voranschreitet. „Nur der Winzer, der experimentierfreudig ist, wird zu den Gewinnern zählen“, so bringt es Hartmut Graßl auf den Punkt. Er empfiehlt den Winzern zum einen, als Reaktion auf das vom Menschen verursachte Klimachaos die in ihrem Einflußbereich liegenden Maßnahmen zu ergreifen, um die Erwärmung des Klima zu verlangsamen und zu stoppen – durch nachhaltiges Handeln, die Reduzierung des CO2-Ausstoßes, die Konzentration auf erneuerbare Energieträger, allen voran die direkte Sonnenenergienutzung. Zum anderen rät er den Weinbauern experimentierfreudig zu sein und sich an die Klimaänderungen anzupassen, etwa durch den Anbau ortsunüblicher Rebsorten, die unter wärmeren Bedingungen beste Resultate bringen sowie durch die Selektion neuer Rebklone mit höheren Säurewerten.

„Alle reden vom Wetter, aber keiner tut etwas dagegen“ Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung bestätigt, dass sich die Klimaveränderungen im Weinbau längst bemerkbar machen. Eine Umfrage, die das Institut unter 255 Winzern in Frankreich, Deutschland und Italien durchgeführt hat, belegt: Über 80 Prozent der Weinbauern beobachten bereits Auswirkungen auf Erträge und Qualität, viele klagen über vermehrten Schädlingsbefall der Weinreben. Die Termine für Austrieb, Blüte, Reifebeginn und Ernte haben sich vielerorts im Vegetationsverlauf schon deutlich nach vorne verschoben. Für Südtirol, so Stock, könnten sich die Rahmenbedingungen für Rotweinsorten verbessern, während man mit den Weißweinen in höhere, kühlere Lagen ausweichen müsste.

Generell zeichnen sich für Stock zwei große Trends ab: zum einen eine Nordverschiebung des Weinbaus in Europa bis nach Norddeutschland, Mittelengland und Skandinavien; zum anderen eine spürbare klimatische Veränderung in den traditionellen Anbaugebieten. Alois Lageder, Initiator der Margreider Weingespräche, experimentiert deshalb schon heute in seinen Weinbergen mit neuen, gebietsuntypischen Sorten. Die rund 50 Hektar gutseigenen Weinberge lässt er biodynamisch bewirtschaften. Er ist überzeugt: „Eine sinnvolle Reaktion auf den Klimawandel kann nicht in noch mehr Technologie liegen, sondern vielmehr in einer Rückbesinnung auf die Gesetze der Natur.“

outside