Weinbrief 21.06.2012

Liebe Geschäftspartner und Freunde,

wenn wir heute, am Tag der Sommersonnenwende, auf die vergangenen drei Monate in unseren Weinbergen zurückblicken, dann lautet unser Fazit einmal mehr, dass sich in der Natur nichts vorhersagen lässt. Jedes Jahr überrascht sie uns mit neuen Entwicklungen. Diesmal beobachteten wir durch die warme Witterung im März einen sehr frühen Vegetationsbeginn, sogar noch früher als im vergangenen Jahr. Durch das kalte Wetter im April und Mai wurde dieser Vorsprung allerdings wieder aufgeholt, so dass die ersten Blüten Ende Mai zeitlich wieder im langjährigen Mittel lagen.

Überraschend war auch, dass – bedingt durch die hohe Feuchtigkeit – bereits im April erhöhter Pilzdruck festzustellen war, ein Phänomen, das man sonst erst nach der Blüte kennt. Das Auftreten von Peronospora ist ein Schlüsselmoment, um die Widerstandskraft der Pflanzen im biologisch-dynamischen Anbau zu testen. Während sich der falsche Mehltau im konventionellen Landbau tendentiell wie ein Ölfleck ausbreitet, blieb der Befall bei uns, wenn überhaupt, lokal begrenzt. Mit homöopathisch angewandten Tees unterstützen wir die Stärkung und Abwehr von Krankheiten der Pflanzen. Zum Beispiel Ackerschachtelhalm, die Silicium enthält und Schafgarbe um die Pilze auf dem Boden zu halten.

Die erfolgreiche Umstellung auf biologisch-dynamischen Anbau hat nach Jahren zu einer Regenerierung und Harmonisierung unserer Weinbergböden geführt. Heuer haben wir nun begonnen, neben den einjährigen auch mehrjährige Einsaaten auszubringen. Einsaaten sind neben den spontan wachsenden Kleinpflanzen eine wichtige Massnahme um mit deren Wurzeln in den Rebzeilen das Erdreich zu lockern, mangelnde Stoffe aufzubauen und mit ihren Blüten Lebensraum für Insekten zu bieten. Ringelblume, Klatschmohn, Kornblume, echte Kamille und verschiedene Kleearten werden nun die bereits bestehende Pflanzenvielfalt erweitern.

Seit Jahren sind wir Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise Südtirol (www.biodynamik.it) und arbeiten erfolgreich zusammen. Der kontinuierliche Austausch hat uns dazu bewogen, erstmals gemeinsam am 9. Juni in unserem historischen Ansitz Casòn Hirschprunn ein Biodynamisches Fest zu feiern. Biologisch-dynamisch arbeitende Erzeuger waren vor Ort, um ihre Produkte zu präsentieren und zur Verkostung anzubieten. Mit einem vielfältigen Angebot, ua. in Zusammenarbeit mit den Waldorfschulen Südtirols, von Seminaren, Eurythmie-Tanzkursen über kreatives Malen bis zu Filmen und einem Streichelzoo wurde einem breiten Publikum die antroposophische Gedankenwelt Rudolf Steiners nahegebracht. Einen Höhepunkt stellte die Ausstellung ‚L’arte come percezione dell’invisibile – Disegni alla lavagna di Rudolf Steiner‘ dar, welche dank des Einsatzes von Demeter Italien möglich gemacht wurde. Für das leibliche Wohl von rund 1.000 Gästen sorgte unsere Küche auf der Basis von Lebensmitteln aus biologisch-dynamischem Anbau und bekömmliche Weine aus Südtirol und anderen Regionen Italiens (www.aloislageder.eu/de_newsparadeis).

Ein unvergessliches Erlebnis war unser Konzertabend VIN-o-TON http://www.aloislageder.eu/vin_o_ton am 12. Mai. Heuer feierte das Kompositionwerk der jungen estnischen Komponistin Helena Tulves Premiere. Wie schon in den vergangenen Jahren war es ein Abend voller Energie, der sowohl von den Musikern als auch von den Gästen intensiv erlebt wurde.

Einen schönen Sommer wünscht Ihnen,

Alois Lageder

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