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Ansitz Löwengang

Unser Weingut sehen wir nicht nur als Produktionsstätte, sondern auch als einen Ort, an dem sich Natur, Technologie und Kunst begegnen. So entstand die Idee, ausgewählte Künstler in unsere Weingüter einzuladen, um sich vom genus loci inspirieren zu lassen. Sie schufen Objekte und Installationen, die den gepflegten Dialog zwischen Natur und Kultur interpretieren. Grundthema aller bisher realisierter Arbeiten ist das mal ironische, mal reflektive Spiel mit der ewigen Wechselbeziehung zwischen Natur und Mensch, Weinrebe und Winzer, Tradition und HighTech.

In unserem Weingut entstehen nicht nur Weine, sondern auch Kunst. Auf Einladung von Alois Lageder besuchen Künstler unsere Weinberge und Keller, um sich vor Ort zu neuen Werken inspirieren zu lassen. Die Künstler erleben aus nächster Nähe alle Phasen der Weinerzeugung. Im Gespräch erkunden sie die Gedankenwelt des Winzers und verkosten seine Weine. Inspiriert vom Genius Loci kehren sie zurück in ihre Ateliers und schaffen Objekte und Installationen, die Alois Lageders Konzept vom Weingut als Ort des Zusammentreffens von Natur, Kultur und Technologie umsetzen. Dabei sind sie völlig frei in der Wahl der Technik und bestimmen selbst den Standort, an dem ihr Werk auf dem Weingut Platz finden soll.

Vier Projekte, die bereits realisiert wurden, lassen sich beim Besuch in Margreid erleben. Zum Beispiel „Das Bienenhaus“ der deutschen Künstler Rosemarie Trockel und Carsten Höller. Unter den herabhängenden Ästen eines alten Feigenbaums im Garten des Weinguts schimmern sieben bunte HighTech-Kugeln, umschwirrt von mehreren Bienenvölkern. Inspiration für das experimentelle Bienenhaus war der kreisrunde Kelterturm, das Herzstück der Weinproduktion auf Löwengang. Dort gelangen die Trauben alleine durch das Prinzip der Schwerkraft von oben nach unten auf sanfteste Weise von einer Ebene zur nächsten, auf den Einsatz von Pumpen kann dabei völlig verzichtet werden. Diese schonende Art der Weinbereitung interpretieren die Künstler mit ihren Bienenkugeln und zeigen damit die Symbiose zwischen den Naturkräften und der Technik auf.

Der gebürtige Schweizer und Wahl-New Yorker Christian Philipp Müller interpretiert mit seiner Installation „Von der Sehnsucht im Einklang mit der Natur zu leben“ Alois Lageders Aussage, der Wein werde nicht im Keller gemacht, sondern im Weinberg. Müllers Arbeit ist eine Hommage an Mutter Erde, drei Glasquader, gefüllt mit Erdreich aus Lageders besten Weinbergslagen: Kalk und Schotter aus Margreid, wo die Trauben für den Löwengang Chardonnay und Cabernet wachsen. Kalk und Lehm vom Römigberg oberhalb des Kalterer Sees, wo der Cor Römigberg heranreift. Feiner Lössboden von der Lindenburg in Bozen, Heimat des Lagrein. Die Arbeit thematisiert das Naturverständnis von Alois Lageder und versetzt ein Stück Weinberg in das Innere des Betriebes.

Auch wer den Fasskeller im Weingut Alois Lageder betritt, findet sich mitten in einem Kunstwerk wieder. Eigenartig langgezogene Töne hallen durch den Raum, Bachs sechstes Brandenburgisches Konzert, am Computer verfremdet. Dazu tanzen, in tausendfacher Vergrößerung an die Wand projiziert, Weinhefen auf einem blau-roten Untergrund. Es war eine Idee des italienischen Künstlers Mario Ariò, Lageders beste Rotweine während der Reifung mit diesem „Wiegenlied für Barrique-Fässer und Streicher“ zu beschallen. Eine Klanginstallation mit Hintersinn, denn nur wenn draußen ein Luftzug geht, liefert das Windrad auf dem Dach die nötige Energie an den CD-Spieler. Erst das Wechselspiel zwischen Natur und moderner Technologie macht die Kunst erlebbar.

Der Kunst begegnet man im Weingut Alois Lageder auch im Gärkeller oder im Weinberg. Dafür sorgte der amerikanische Konzeptkünstler Matt Mullican mit seinen „Sternenkarten“, insgesamt 53 schwarzen Granittafeln, die er an den verschiedensten Stellen im Weingut platzierte. In jede dieser Platten ritzte er mit Laserstrahl genaue Sternenkarten ein. Eine Installation, die den Einfluss von Gestirnen und Mond auf das Wachstum der Rebe und den Entwicklungsprozess des Weines aufzeigt – und damit auch der im Weingut praktizierten biodynamischen Anbauweise entspricht.

Das Kunstprojekt „Ansitz Löwengang“ ist für Alois Lageder eine kreative Reaktion auf eine Tendenz unserer aktuellen Lebensweise, die ihn stark beschäftigt: „Mit der modernen Technologie entfernen wir uns immer weiter von der Natur. Wir sollten uns bemühen, mehr Synergien zu schaffen und die Technik in Funktion zur Natur nutzen.“

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